Der alte Gott

Efferd. Eine Gottheit, die mich schon seit längerer Zeit reizt – bekommt sie doch oftmals wenig Rampenlicht und wird noch dazu auch meist in der Community eher als unnützer, spielspaßloser Fischergott gesehen.
Dabei hat diese Gottheit, so wie die meisten anderen auch, so einiges auf Lager.

Da sind die gütigen Gaben Efferds, natürlich zählt dazu der Fischfang, aber auch im allgemeinen, durch den Aspekt des Regens, die pflanzliche Fruchtbarkeit. In seiner Milde speist Efferd die Menschen also gewissermaßen ebenso wie die Herrin Peraine – und aus gutem Grund ist der Glaube an Efferd einer der verbreitetsten Aventuriens.
Klassisch ins Klischee passen außerdem die Gezeiten, das Meer und die Flüsse, außerdem Wind, Wolken und Sturm im allgemeinen.
Ich denke, das deckt in etwa das oberflächliche Bild ab, das die meisten Spieler von Efferd haben.

Dabei wird es erst richtig interessant, wenn man etwas tiefer gräbt, denn der Launenhafte hat auch die Aspekte Emotionen, Schicksal und sogar Zerstörung.
Efferd ist ein Gott, der sowohl gibt, als auch nimmt. Ein Gott, der nicht fordert, sondern handelt.


Für das Heldenwerk-Abenteuer ‚Deicherbe‘ habe ich mir schließlich endlich, nach langen Überlegungen, einen Efferd-Geweihten erstellt.
Hier ein schneller Umriss des Charakters:

Name: Effraim aus den Wogen
Kultur: Nostria
Profession: Efferd-Geweihter
Strömung: Mystiker
Geschichte:
Vor drei Jahrzehnten liebten sich ein albernischer Seemann und eine Nixe inniglich. So sehr, dass im Leib der Nixe ein Lebenslicht entstand – so wurde sie schwanger von dem Seemann. Dieser jedoch kam im Sturm ums Leben – Efferd nahm ihn zu sich. Die Nixe vergoss salzige Tränen in der Tiefe des Meeres, denn sie wusste, dass sie das Kind eines Toten in sich trug. Als sie das Kind gebar, sah sie, dass das Kind mehr Mensch als Nixer war. Unmöglich hätte es Unterwasser überleben, geschweige denn unter den Nixen aufwachsen können. So trug sie das Kind an den Rand des Meeres und ließ es bis zur Küste treiben.
Dort, am Ufer des Königreichs Nostria, hörte ein Geweihter des Efferd, der einen ruhigen Spaziergang machte, die Schreie des Kindes. Er eilte ins Wasser und nahm es aus den Wogen. So blickte er das Kind an, das er in den Händen hielt:
Grünliches Haar und tiefblaue Augen, Lippen, die vom Salz rissig waren und gänzlich durchnässt, in einem grauen Laken. Da wusste er: Es war Schicksal.
Er nahm das Kind bei sich auf und empfahl ihn seiner Kirche an. Diese nahm den Jungen als Novizen auf. Sie nannten ihn Effraim. Der, der aus den Wogen kam. Schicksalskind.
So wuchs der Junge in der Obhut der nostrischen Kirche des alten Gottes auf und wurde dem Herrn der Gezeiten geweiht, aufgenommen in die Bruderschaft von Wind und Wogen.
Effraim widmet seither sein Leben der spirituellen Suche nach der Deutung des Willens des Launischen und der Wahrheit seines eigenen Schicksals.

Ich freue mich schon sehr darauf, den Charakter zu spielen, ihn auszuprobieren und zu sehen, ob mir das Konzept auch längerfristig Spaß machen wird. Falls ja, komme ich sicher nicht drum herum, eine Illustration von ihm anfertigen zu lassen – die zeige ich euch dann natürlich gerne auch.
Falls der liebe Effraim eine coole Socke ist, spiele ich ihn wahrscheinlich auch in der kommenden Al’Anfa-Kampagne von Heike Wolf.

 

30531569_551061538612030_2825956724056260608_o
Spontan in Hero Forge erstelltes Charakterbild – die Figur wird vermutlich sowieso bestellt, sobald ich den Charakter ausführlich spiele.

 


In Vorbereitung auf das erste Mal als Efferd-Geweihter habe ich mir bisher nicht nur das (äußerst empfehlenswerte!) Efferd-Vademecum angelesen, sondern auch ein wenig selbst getextet. Quasi ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben Effraims, in diesem Fall von einer Seefahrt:

Es knarzte, als kräftige Wogen auf das Holz trafen. Die Gischt stob die Wände empor und legte sich wie ein Schleier über die Gesichter der Männer, die um ihr Leben kämpften. Ein Leben, das er gab und bewahrt. Ein Leben, das er in seiner Unergründlichkeit nehmen würde. Doch gefiel es ihm, wenn die Sterblichen ihm trotzen. Der alte Gott erwartet es von seinen Kindern, seine Launen zu ertragen, denn er ist der Tobende und der Sanfte. Das Tosen der Winde verschlang die Schreie der Mannschaft. Aus finsteren Wolkentürmen zuckten Blitze herab, gefolgt von Donner, und küssten die See, als selbst die Sturmherrin den Zorn ihres Geliebten mahnte. Er leckte sich über die Lippen und schmeckte Salz. Dies waren die Stunden, in welchen einst Götter Kinder gebaren.

Liebe Grüße,
Julian

2 Kommentare

    • Vielen Dank, freut mich, wenn es dir gefällt.

      Auch eine sehr coole Idee, als Zyklopäer ist man ja noch einmal etwas näher am alten Kult.
      Gefällt mir!

      Und ich finde auch, DSA5 hat die Efferd-Geweihten gerettet.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s